Die Geisterstadt Cerro de San Pedro

Menschenleer, aber nicht ohne Charme: Die alten Kopfsteinpflastergassen von San Pedro | Foto: Andrea Schneider
Menschenleer, aber nicht ohne Charme: Die alten Kopfsteinpflastergassen von San Pedro | Foto: Andrea Schneider

Verfallene Häuser, uraltes Kopfsteinpflaster, gespenstische Stille: Mitten in der Wüste von San Luis Potosi liegt eine Geisterstadt. Ob hier auch noch Geister spuken? Finde es selbst heraus und besuche das pueblo fantasma del Cerro de San Pedro in San Luis Potosí.

Die Landstraße schlängelt sich durch eine karge Kakteenlandschaft. Plötzlich verläuft sie sich in einen staubigen Weg, und es geht nicht mehr weiter. Umgeben von unzähligen Kakteen und Yucas, die den sonst kargen Hügeln ein bisschen Grün verleihen, liegt das ehemalige Minen-Dorf Cerro de San Pedro. Rund 25 Kilometer nordöstlich von der gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaats San Luis Potosí entfernt, bietet sich das kleine Dörfchen als perfekter (Halb-)Tagestrip am Wochenende an.

Cerro de San Pedro ist eines der ältesten Orte des Bundestaats San Luis Potosí. Davon zeugen nicht nur die in die Jahre gekommenen Kolonialhäuser, von denen nur noch Ruinen übrig sind. Auch bei einigen Dorf-Greisen fragt man sich: Haben sie die ganze Geschichte von San Pedro vielleicht miterlebt? Irgendwie passen sie ins malerische Bild des winzigen Ortes. Alt, verfallen und gespenstisch leer, aber nicht heruntergekommen sind die Bauten des schnuckeligen Dörfchens. Könnte eher eine Filmkulisse für einen Western sein. Jedes Gebäude verrät noch den Charme, das es einmal in der Vergangenheit hatte. Denn seine Blütezeit hatte San Pedro nach der Eroberung, als spanische Siedler sich im 16. Jahrhundert in Mexiko breit machten.

Einst zog San Pedro Goldgräber an

Die staubige, trockene Berglandschaft um das Städtchen herum war nämlich einst Heimat der Huachichil-Indianer. Im Jahr 1583 traf der Franziskanermönch Diego de la Magdalena den Huachichil-Indianer Cualiname in Mesquitique. Cualiname hatte sein Gesicht mit Gold bemalt und erzählte dem neugierigen Mönch, dass in der Nähe noch viel mehr von dem goldenen Pulver zu finden sei. Der spanische Militärchef Miguel Caldera bekam Wind davon und nahm die Gegend in Besitz in der Hoffnung, mehr Gold zu finden.

Einer seiner Goldgräber, Pedro de Anda, schürfte faustgroße Steine des glitzernes Minerals rund um das kleine Dörfchen, womit der Reichtum (der Spanier) gesichert war. Die ehemalige Heimat der Huachichil-Indianer sollte nun nach dem spanischen Goldgräber San Pedro de Potosí heißen. Potosí, wegen der Potosí-Minen in Peru. 1592 wurde Cerro de San Pedro als spanische Minenkolonie gegründet. Das heute eher verwaiste Minen-Dörfchen war die erste Siedlung der heutigen Potosínos und gilt als die „Wiege“ von San Luis Potosí.

 

Heute herrscht Totenstille in San Pedro

Die Stille und die Muße sind die besten Begleiter wenn man durch die steinigen Straßen von San Pedro schlendert. Auch wenn das nette Dorf sehr klein ist, sollte man sich Zeit nehmen, alle Winkel zu erkunden. Lust zum Sightseeing macht dann schon gleich zur Begrüßung eine stählernde Minenarbeiter-Figur, die eine Schubkarre voll Steine schiebt. Bienvenidos!

Zwei historische Kirchen in Cerro de San Pedro solltest du unbedingt besichtigen: Die am Hauptplatz gelegene Templo Parroquia de San Pedro Apóstol und die Kirche San Nicolás de Tolentino, Schutzpatron der Minenarbeiter. Letztere befindet sich ein wenig außerhalb des Dorfes mitten in der Natur. Ganz in der Nähe der Parroquia de San Pedro Apóstol befindet das restaurierte Kolonialgebäude des Rathauses (presidencia municipal), welches durch seine rot und weiß angestrichene Fassade einen schönen Anblick bietet. Im Innenhof, umgeben von einem hübschen Garten, findet man eine Eisenfigur eines Minenarbeiters.

Geisterdörfern ist eigentlich eins gemeinsam: sie sind unbewohnt. Das Minen-Dorf Cerro de San Pedro tanzt hier ein wenig aus der Reihe. Schaut man sich die leerstehenden Häuser an, glaubt man gar nicht, dass in dem Ort noch Menschen leben. Rund 120 Einwohner zählt das Dörfchen genau genommen. Natürlich gibt es auch am Ende des Ortes neuere Häuser – das erklärt dann, wo die Handvoll Bewohner leben.

San Pedro ist jedoch so gut wie verlassen. Nur am Wochenende lebt es auf, wenn gestresste Potosinos (Bewohner von San Luis Potosí) und neugierige Touristen in die Geisterstadt strömen. Die wenigen Restaurants und Bars öffnen nur Samstags und Sonntags. Auch das Museum zur Geschichte der Stadt und eine begehbare Mine richten sich in ihren Öffnungszeiten nach dem Besucherandrang am Wochenende.

So kommst du hin

Über Andrea 1 Artikel
Andrea ist Online-Journalistin und kam das erste Mal 2005 als Studentin nach Mexiko, genauer gesagt nach Guanajuato. Von Mexiko konnte sie sich nie trennen. Nach dem Studium in Dortmund kehrte sie 2007 zurück und blieb. Zehn jahrelang war das quirlinge Mexiko-Stadt ihre Heimat. Heute lebt sie im beschaulichen San Luis Potosí.

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