Las Posadas: Weihnachten auf Mexikanisch

Weihnachten in Tepoztlán
Foto: Daniel Schlicht

Stille Nacht, Heilige Nacht? Hossa! Bei den Mexikanern bricht an Weihnachten der Fiesta-Modus aus. Bei den nächtlichen Posadas wird gesungen, getanzt und auf Piñatas eingeschlagen. Einblick in einen typisch mexikanischen Weihnachtsbrauch.

Wer an Weihnachten aus europäischen Breitengraden nach Mexiko kommt, wird in seinen Grundfesten erschüttert. Während hierzulande sanft Stille Nacht, Heilige Nacht durch die kaminwarmen Wohnzimmer tönt, bricht beim Mexikaner der Fiesta-Modus aus. Ruhe? Besinnlichkeit? Hossa!

Ab dem 16. Dezember jeden Jahres beginnen in Mexiko, vor allem in den kleinen Städten und Dörfern, die abendlichen Posadas (auf deutsch Herbergen). Mit diesem vorweihnachtlichen Ritual wird symbolisch der Herbergssuche von Maria und Josef still gedacht, perdón, ausgelassen gefeiert. Die Posadas laufen ganz so ab wie ihr historisches Vorbild: Man verkleidet sich häufig wie zu biblischer Zeit, teils mit Esel und Karren, und schreitet zur Abendstunde Tür zu Tür in der Nachbarschaft ab, um um eine Unterkunft zu bitten.

Natürlich wird dabei auch lautstark gesungen. „En el nombre del cielo os pido posada pues no puede andar mi esposa amada“ (Im Namen des Himmels bitte ich um Herberge, denn meine geliebte Frau kann nicht mehr laufen), beginnt die traditionelle Litanei der Bittsteller vor der Tür. Doch von den Gastwirten bekommen sie bloß etwas zu hören wie: „No me importa el nombre, déjenme dormir, pues que yo les digo que no hemos de abrir“ (Mich interessieren keine Namen, lass mich schlafen, wie ich schon gesagt habe, werden wir nicht öffnen).

Punsch, Pfannkuchen und Piñatas

Wie es für die Weihnachtsgeschichte gehört, hat ein wohlgesonnener Nachbar oder Verwandter schließlich Erbarmen und empfängt die Gesellschaft in seinem Hause, wo bereits Freunde oder Familienangehörige warten. Traditionell werden dann buñuelos (süsse in Öl hartgebackene Pfannkuchen) und ponche (Punsch) kredenzt, manchmal ebenfalls ein richtiges Abendessen mit traditionellen Speisen und Cervezas (Bier).

Vielerorts führen die Posadas auch zu einer der festlich geschmückten Kirche, wo sich dann das halbe Dorf trifft. Vor allem für die Kinder beginnt dann erst der beste Teil von allem: Das Zerschlagen der Piñatas! Meist sind das aus Pappe oder Ton gefertigte bunte Sterne, die in der Regel sieben Zacken haben – ein Symbol für die sieben Todsünden. Die Piñata wird an einem Seil aufgehängt und dann von einem Erwachsenen in der Luft umhergezogen.

Der Reihe nach versuchen die Kleinen nun, die Piñata mit einem Stock zu zerschlagen. Die Größeren bekommen zusätzlich die Augen verbunden, während die herumstehenden Kinder ungeduldig Anweisungen geben, wo denn die begehrte Trophäe gerade hängt. Hat was von Kindergeburtstag, wo man beim Topfschlagen mit dem Löffel immer wieder ganz knapp am Blech vorbeischlägt. Ist die Piñata endlich zerbrochen, gibt’s kein Halten mehr: Orangen, Mandarinen, Schokolade, Bonbons und kleine Spielzeuge krachen dann auf den Boden, auf den sich alle lautstark stürzen.

Die Spanier brachten die Posadas nach Mexiko

Die Tradition der Posadas reicht übrigens zurück bis in die Zeit der spanischen Besatzung. Um Ureinwohner in Amerika zum katholischen Glauben zu bekehren, wandelten Augustiner damals einfach indianische Bräuche in christliche Feste um. So feierten die Azteken im Dezember ursprünglich die Ankunft von Huitzilopochtli, dem Kriegs- und Sonnengott und Schutzpatron der Stadt Tenochtitlán. Daraus wurden kurzerhand die heute noch üblichen neuntägigen Feiern zur Ankunft Christi – jeder Tag symbolisiert einen Monat in der Schwangerschaft Marias.

Weihnachten ist also eine ideale Reisezeit, um Mexiko von einer seiner schönsten Seiten kennenzulernen. Unser Reisetipp: In Tepoztlán, Pueblo Mágico im Bundesstaat Morelos, kannst du die Posadas auf ganz traditionelle Weise erleben. Hier finden allabendlich in den unterschiedlichen Barrios Umzüge über die alten Kopfsteinpflastergassen zu den Kirchen statt – mehr mexikanische Weihnacht geht kaum.

Über Daniel 10 Artikel
Daniel ist Online-Journalist und hat zwei Jahre in Tepoztlán und Mexiko-Stadt gelebt. Seit 2016 wieder zurück in Berlin, aber im Herzen immer noch "Chilango". Schreibt am liebsten über mexikanische Absurditäten des Alltags und inspirierende Menschen in Mexiko.

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